Grenzen setzen im Business: warum dein Nein zählt

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„Keine Angst, der will nur spielen!“

Verwundert blicke ich auf und verstehe sofort, was der Mann mir sagen will.

Ich übersetze seinen Ausruf mit:

„Achtung, mein 40 Kilo schwerer Hund rennt gerade mit Vollspeed auf Sie zu. Und das mit dem Rückruf haben wir im Training nicht ganz so ernst genommen.“

Geistesgegenwärtig stelle ich mich vor meine Hündin, um sie wenigstens ein bisschen vor dem heranrasenden Kraftpaket abzuschirmen.

Der Rüde bremst kurz ab und läuft dann in einem großen Bogen um uns herum.

Lotte hat Stress. Ich habe Stress. Nur das Herrchen des Ridgebacks scheint die Ruhe selbst zu sein. Denn er macht keine Anstalten, seinen Hund zurückzurufen oder anzuleinen.

Stattdessen erklärt er mir:

„Hunde brauchen ja auch mal Sozialkontakt.“

Für einen Moment verschlägt es mir die Sprache.

Ist dem Mann wirklich nicht klar, dass hier gerade einiges schiefgelaufen ist? Oder fällt ihm einfach nur ein kurzes „Entschuldigung“ schwer?

Statt mich weiter aufzuregen, verlasse ich die Situation freundlich, aber bestimmt: „Absolut, Hunde brauchen Sozialkontakt. Aber kontrolliert und erst nach vorheriger Absprache. Schönen Tag noch.“

Eine ganz typische Situation im Hundealltag.

Früher, in der Anfangszeit mit Lotte, fiel es mir schwer, hier klar zu sein. Heute gehört der Satz „Bitte kein Kontakt an der Leine“ bei vielen unserer Gassirunden zum Standard.

Und seitdem? Gehen wir entspannt an anderen Mensch-Hund-Teams vorbei. Ohne Zerren, ohne Aufregung, ohne Fiepsen.

Würde ich jetzt anfangen, doch wieder jeden Hund „Hallo“ sagen zu lassen, wäre das ganze Training schnell dahin.

Deshalb sage ich rechtzeitig Bescheid, wenn jemand schnurstracks auf uns zukommt: „Kein Leinenkontakt, bitte.“

Klare Grenze. Freundlich kommuniziert. Problem gelöst.

Und genau das gilt nicht nur an der Hundeleine, sondern auch in deinem Business.

Denn klare Grenzen zu setzen ist im Business genauso entscheidend wie an der Leine. Nur fällt es uns dort oft noch schwerer.

Warum Grenzen setzen im Business so schwerfällt

Gerade am Anfang deiner Selbstständigkeit ist das gar nicht so leicht. Aus zwei Gründen.

Der erste: Du weißt oft noch gar nicht, welche Grenzen dir in der Zusammenarbeit überhaupt wichtig sind. Die merkst du meist erst, wenn der Schuh irgendwo drückt.

Der zweite Grund sitzt tiefer.

Viele von uns haben früh gelernt, dass wir gemocht werden, wenn wir hilfsbereit sind, niemandem zur Last fallen und bloß keine Probleme machen. Besonders wir Frauen sind darauf sozialisiert, es allen recht zu machen.

Das Tückische daran: Es kommt schleichend. Du sagst einmal Ja, obwohl du Nein meinst. Dann noch einmal. Und irgendwann sitzt du abends erschöpft auf der Couch und kannst dir die diffuse Gereiztheit selbst kaum erklären.

Die Folgen sind übrigens gut belegt. Laut der Stressstudie der Techniker Krankenkasse fühlen sich rund zwei Drittel der Frauen in Deutschland häufig oder zumindest manchmal gestresst. Das ständige Ja gegen die eigenen Grenzen ist einer der stillen Treiber dahinter.

Heißt im Klartext: Grenzen zu setzen ist keine Härte. Es ist Selbstschutz.

Der eigentliche Grund für „schwierige“ Kundinnen und Kunden

Jetzt kommt der Teil, der dich vielleicht überrascht.

Die meisten „schwierigen“ Kundinnen und Kunden wollen dich gar nicht absichtlich in den Wahnsinn treiben. Sie wissen nur nicht, wo deine Grenzen liegen.

Klingt zu einfach? Ist aber so.

Schau dir das Phänomen Scope Creep an, also das schleichende Größerwerden von Aufträgen. Eine Erhebung der Freelancers Union zeigt: Rund 67 Prozent der Selbstständigen leisten regelmäßig unbezahlte Arbeit, weil Projekte nach und nach über die ursprüngliche Absprache hinauswachsen. Und in den seltensten Fällen steckt böse Absicht dahinter. Meistens fehlt einfach eine klare Ansage, was dabei ist und was nicht.

Der gefährlichste Satz dabei lautet: „Kannst du nicht kurz noch…?“

Kannst du nicht kurz noch eben auf meine WhatsApp antworten? Kannst du nicht kurz noch über meinen Text schauen? Kannst du nicht kurz noch zehn Minuten dranhängen?

Jedes „kurz“ für sich wirkt winzig. In Summe arbeitest du am Ende für den halben Stundensatz.

Und genau hier steckt die gute Nachricht: Wenn das Problem fehlende Klarheit ist, dann ist die Lösung auch klar.

Denn deine Kundinnen und Kunden können deine Grenzen nur respektieren, wenn du sie ihnen vorher mitgeteilt hast.

Wo deine Grenzen im Business liegen können

Hier ein paar typische Stellen, an denen es bei uns Selbstständigen klemmt.

Deine Erreichbarkeit. Du willst am Wochenende nicht arbeiten? Oder abends nicht mehr ans Telefon? Dann lass deine Kundinnen und Kunden wissen, wann du erreichbar bist und bis wann sie mit einer Antwort rechnen können.

Verbindliche Termine. Du wirst ständig versetzt oder kurzfristig vertröstet? Dann halte vorher fest, dass du verbindlich geplante Zeiten auch in Rechnung stellst.

Der Leistungsumfang. Hier passiert der erwähnte Scope Creep. Schreib vor Auftragserteilung detailliert auf, was enthalten ist. Und genauso, was extra berechnet wird. Ein Satz wie „Alles, was über die genannten Leistungen hinausgeht, rechne ich mit XX Euro pro Stunde ab“ wirkt Wunder.

Die Bezahlung. Du läufst deinem Geld ständig hinterher? Dann arbeite mit Anzahlung oder Vorkasse. Bei mir ist das längst Standard.

Du merkst: Das sind keine Schikanen. Das sind die Leitplanken, die deine Zusammenarbeit für beide Seiten angenehm machen.

Wie du deine Grenzen klar kommunizierst

Am besten gar nicht erst im Konfliktfall, sondern von Anfang an.

Im Gespräch ist gut. Schriftlich ist besser.

Mein Tipp: Pack deine wichtigsten Spielregeln in einen Vertrag oder in ein kleines Onboarding-PDF, das deine Kundinnen und Kunden direkt nach der Auftragserteilung bekommen. Dann sind die Grenzen gesetzt, bevor überhaupt die erste Frage aufkommt.

Genauso wichtig: Du musst dich selbst an diese Grenzen halten. Und bei Bedarf freundlich daran erinnern.

So in etwa:

„Wie zu Beginn besprochen, umfasst unsere Zusammenarbeit X und Y. Die zusätzlichen Kosten für Z liegen bei XX Euro. Bist du damit einverstanden?“

Kein Drama. Kein schlechtes Gewissen. Nur Klarheit.

Grenzen setzen beginnt schon im Kennenlerngespräch

Und noch etwas, das gern vergessen wird: Du darfst deine Grenzen schon im Vorgespräch ziehen.

Du merkst, dass es einfach nicht passt? Dass die Vorstellungen meilenweit auseinanderliegen? Und dein Kühlschrank ist auch ohne diesen Auftrag voll?

Dann sag nein.

Denn ein Kennenlerngespräch ist nicht nur für deine Interessentinnen und Interessenten da. Es ist auch für dich. Du prüfst genauso, ob ihr zusammenpasst.

Es ist dein Business. Du darfst Grenzen setzen. Und ehrlich gesagt: Du solltest es sogar.

Denn überleg mal: Wann machst du die beste Arbeit?

Völlig ausgelaugt, genervt und gestresst?

Oder entspannt und mit Freude, weil du deine Grenzen von Anfang an klar gemacht hast? Eben.

Falls du das bisher noch nicht getan hast, nimm dir kurz Zeit dafür. Schreib auf, was in vergangenen Zusammenarbeiten nicht rund lief. Und leite daraus ab, wie du es beim nächsten Auftrag von Anfang an klarer kommunizierst.

Übrigens: Grenzen setzen fällt viel leichter, wenn von vornherein die richtigen Menschen bei dir landen. Genau dafür ist eine strategische Website da. Sie zieht deinen Wunschkunden an und verwandelt Besucher Schritt für Schritt in Kundinnen und Kunden.

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Wer schreibt hier?

Annika Gievers

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