„Der will nur spielen!“ – Und warum Grenzen setzen auch im Business wichtig ist.

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“Keine Angst, der will nur spielen!”

Verwundert blicke ich auf und verstehe, was der Mann mir zu verstehen geben will.

Ich übersetze seinen Ausruf mit:

“Achtung, mein 40kg Hund rennt gerade mit Vollspeed auf Sie zu und das mit dem Rückruf haben wir im Training nicht ganz so ernst genommen! 🤷‍♂️”

Geistesgegenwärtig stelle ich mich vor meine Hündin, um sie zumindest ein bisschen vor dem herannahenden Kraftpaket abzuschirmen.

Der Rüde bremst kurz ab und läuft dann in einem großen Bogen um uns herum.

Lotte hat Stress. Ich habe Stress. Nur das Herrchen des Ridgebacks scheint die Ruhe selbst zu sein. Denn er macht keine Anstalten, seinen Hund an die Leine zu nehmen.

Stattdessen erklärt er mir:
“Hunde brauchen ja auch mal Sozialkontakt!”

Für einen Moment verschlägt es mir die Sprache.

Ist dem Typen echt nicht bewusst, dass hier gerade jede Menge schief gelaufen ist?
Oder fällt es ihm einfach nur zu schwer, ein kurzes „Entschuldigung“ hervorzubringen?

Anstatt mich weiter aufzuregen, verlasse ich die Situation freundlich aber bestimmt mit den Worten: ”Absolut, Hunde brauchen Sozialkontakt. Aber kontrolliert und erst nach vorheriger Absprache. Schönen Tag noch.”

Eine typische Situation im Hundealltag.

Während es mir in der Anfangszeit mit Lotte noch super schwer fiel, ganz klar Grenzen zu setzen, gehört der Ausruf “Bitte kein Kontakt an der Leine!” heute bei vielen unserer Gassirunden zum Standard.

Seit wir das konsequent durchziehen, können wir endlich komplett entspannt an anderen Mensch-Hund-Teams vorbeigehen. Ohne Zerren, Aufregung und Fiepsen.

Würden wir jetzt anfangen, jeden entgegenkommenden Hund einmal “Hallo“ sagen zu lassen, wäre all das Training schnell wieder dahin.

Und deswegen weise ich unbekannte Hundehalter*innen, die schnurstracks auf uns zukommen, rechtzeitig auf unsere Grenzen hin: “Kein Leinenkontakt, bitte.”

Grenzen zu setzen ist natürlich nicht nur im Hundealltag wichtig, sondern auch im Business.

Besonders in der Anfangszeit der Selbstständigkeit ist das aber gar nicht so einfach.

Unter anderem, weil du vielleicht einfach noch gar nicht so recht weißt, welche Grenzen dir in der Zusammenarbeit mit deinen Kund*innen wichtig sind.

Doch ich verspreche dir: Du wirst schnell feststellen, wenn der Schuh irgendwo drückt. Und dann ist es an der Zeit, diese neu entdeckten Grenzen auch klar zu kommunizieren.

Im Gespräch. Oder besser noch vertraglich oder in einem Onboarding-PDF, das deine Kund*innen nach Auftragserteilung bekommen.

Denn das Geheimnis ist: Die meisten “schwierigen” Kundinnen wollen dich nicht absichtlich in den Wahnsinn treiben. Sie wissen nur nicht, wo deine Grenzen liegen.

Kund*innen können Grenzen nur respektieren, wenn du sie ihnen klar mitgeteilt hast.

🕰 Das kann bei deinen Bürozeiten anfangen. Du willst am Wochenende nicht arbeiten? Oder abends? Lass deine Kund*innen wissen, wann du (nicht) erreichbar bist. Und wann sie mit einer Antwort rechnen können.

🫥 Du wirst ständig versetzt? Lass deine Kund*innen wissen, dass du Ausfallzeiten in Rechnung stellst.

📝 Deine Aufträge arten ständig aus? Und zwar ohne finanziellen Ausgleich? Lass deine Kund*innen vor Auftragserteilung detailliert wissen, was enthalten ist. Und weise sie auch darauf hin, welche Arbeiten extra abgerechnet werden.

Wichtig ist dabei natürlich auch, dass du dich auch selbst an diese Grenzen hältst und bei Bedarf auch später noch einmal daran erinnerst: “Wie zu Beginn abgemacht, umfasst unsere Zusammenarbeit X und Y. Die zusätzlichen Kosten für Z belaufen sich auf XX€. Bist du damit einverstanden?”

Übrigens darfst du Grenzen auch direkt im Kennenlerngespräch mit deinen Interessent*innen setzen. Du merkst, dass es nicht passt? Und dein Kühlschrank ist auch ohne diese Kundin oder diesen Kunden voll?

Dann lass es. Sag nein.

Denn Vorgespräche sind nicht nur für deine Interessent*innen da. Sondern auch für dich.

Es ist dein Business. Du darfst – und solltest! – Grenzen setzen. Denn nur so kannst du deine Arbeit und deine Selbstständigkeit bestmöglich genießen. Und zwar langfristig.

Und auch deine Kund*innen profitieren:
Denn in welcher Form kannst du wohl die beste Arbeit leisten?

Völlig ausgelaugt, genervt und gestresst?

Oder vielleicht eher, wenn du entspannt und mit Freude an deine Arbeit gehst, weil du deine Grenzen und Anforderungen von Beginn an klar kommuniziert hast? Na eben! 😄

Also, falls du es noch nicht getan hast, mach dir gern einmal Gedanken über deine Grenzen im Business.

Schreib dir auf, was in vergangenen Zusammenarbeiten nicht so toll gelaufen ist. Und leite anschließend daraus ab, wie du deine Grenzen bei zukünftigen Aufträgen kommunizieren möchtest.

Ich hoffe, dieser Impuls hilft dir weiter!

Hab einen starken Tag!

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Wer schreibt hier?

Annika Gievers

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