Coaching Paket. Online Kurs. Gruppenprogramm. VIP Tag. Workbook. Und weil das noch nicht reicht, vielleicht noch ein kleines Tiny Offer obendrauf.
Sechs Ideen. Keine davon fertig.
Du sitzt davor, schiebst die Stichpunkte von links nach rechts und denkst dir: „Ich brauche verschiedene Preispunkte, damit für jeden etwas dabei ist. Sonst schließe ich Leute aus.“ Und während du das denkst, steht deine Website immer noch nicht.
Logisch. Denn was sollst du draufpacken, wenn du selbst nicht weißt, welches dieser Angebote eigentlich DAS Angebot ist?
Ich sage dir jetzt etwas Unbequemes:
Du brauchst keine sechs Angebote. Du brauchst eins.
Eins. Ein einziges. Und das meine ich völlig ernst.
„Aber Annika, mit nur einem Angebot wirke ich doch nicht professionell genug.“
Doch, um HIMMELS WILLEN. Tust du. Und ich erkläre dir, warum oft sogar das Gegenteil stimmt.
Wie viele Angebote brauche ich? Frag mal die Marmelade
Es gibt ein berühmtes Experiment, das die Frage besser beantwortet als jeder Businessplan. Zwei Psychologinnen und Psychologen, Sheena Iyengar und Mark Lepper, stellten im Jahr 2000 in einem Feinkostladen einen Probiertisch mit Marmelade auf. Mal mit 6 Sorten, mal mit 24.
Das Ergebnis hat die Marketingwelt bis heute geprägt:
Am Tisch mit den 24 Sorten blieben mehr Menschen stehen, rund 60 Prozent. Gekauft hat am Ende fast niemand, nur etwa 2 Prozent. Am kleinen Tisch mit 6 Sorten blieben weniger stehen, dafür kaufte ein Vielfaches: rund 12 Prozent.
Heißt im Klartext: Die kleine Auswahl verkaufte deutlich besser. Über 120 weitere Studien haben diesen Effekt seitdem bestätigt. Er hat sogar einen Namen, das Auswahlparadox: Zu viele Optionen lähmen uns. Aus Angst, die falsche Wahl zu treffen, treffen wir lieber gar keine.
Und jetzt übertrag das mal auf deine Angebote.
Deine geplante Angebotsliste ist der Tisch mit den 24 Sorten. Schon dein Wunschkunde wäre damit überfordert: zu viele Türen gleichzeitig, also geht er durch keine.
Aber jetzt kommt der eigentliche Punkt. Und der hat noch nicht mal so viel mit deinem Wunschkunden zu tun.
Diese Überforderung trifft vor allem dich.
Denn den Tisch mit den 24 Sorten musst du ja erst mal selbst aufbauen. Und genau da fängt das Schlamassel an.
Die Rechnung, die niemand macht
Stell dir kurz vor, was so ein Angebots Stapel wirklich bedeutet.
Jedes einzelne Angebot muss entwickelt, durchdacht, kalkuliert, getextet und verkauft werden. Sechs Angebote sind fünf Verkaufsseiten. Sechs verschiedene Zielgruppenansprachen. Sechs Funnel, die du aufbauen müsstest. Und das alles, bevor du überhaupt weißt, ob Idee Nummer 1 überhaupt zieht.
Das ist, als würdest du Sechs Gerichte gleichzeitig kochen, die du noch nie gemacht hast. Du rührst hier, schneidest da, vier Töpfe auf dem Herd, der Ofen läuft. Und am Ende ist alles lauwarm und nichts richtig fertig.
Was in der Realität passiert: Du arbeitest wochenlang an allem gleichzeitig. Der Kurs wird nie fertig. Der Workshop steht halb. Das Workbook hängt in einem Google Doc fest. Und deine Website kommt „danach“. Also nie.
Der ganze Frust hat einen einzigen Grund: Du wolltest mit zu vielen Optionen gleichzeitig an den Start. Das lähmt. Nicht irgendwann, sondern genau jetzt, wo du eigentlich loslegen willst.
Ein Angebot macht dich nicht kleiner, sondern klarer
Hier liegt der Denkfehler, den ich so oft sehe: Wir glauben, viele Angebote wirken nach mehr. Nach mehr Auswahl, mehr Kompetenz, mehr Profi.
In Wahrheit wirken sie schnell nach Beliebigkeit. Besonders, wenn die Zeit fehlt, jedes dieser Angebote detailliert zu durchdenken.
Wenn du eine Sache richtig gut kannst und genau die anbietest, bist du für deinen Wunschkunden die logische Wahl. Wenn du zehn Sachen halb anbietest, bist du eine von vielen, die „irgendwie alles“ machen.
Fokus verkauft. Auswahl überfordert.
Wie du genau diese eine Person findest, für die dein Angebot die logische Wahl wird, liest du übrigens in meinem Blogartikel „Wunschkunde definieren: so wirst du zur logischen Wahl“.
Starte mit einer Dienstleistung. 1:1. Mehr nicht.
Mein Rat, und ich meine das wirklich so:
Starte mit einer Dienstleistung. Du und deine Kundin / dein Kunde. Das war’s.
Nicht, weil 1:1 für immer dein Geschäftsmodell sein muss. Sondern weil du dabei etwas bekommst, das mit keiner Theorie der Welt zu kaufen ist: echte Erfahrung mit echten Menschen.
Du lernst, was deine Kundinnen wirklich brauchen, nicht was du denkst, dass sie brauchen. Du merkst, welche Fragen immer wieder kommen. Du siehst, wo sie hängen und was sie wirklich weiterbringt.
Und genau aus dieser Erfahrung entwickelst du dann dein zweites Angebot. Vielleicht dann den Online Kurs. Vielleicht das Gruppenprogramm. Aber eben nicht aus dem Bauch heraus, sondern aus echtem Wissen.
Ein kleiner Hinweis aus Erfahrung: Starte bitte nicht direkt mit einem Online-Kurs. Da hängt so unfassbar viel dran, dass er dich vom Start abhält statt dich voranzubringen. Eine Dienstleistung kannst du heute anbieten. Ein Kurs frisst Monate, bevor du auch nur einen Cent verdient hast.
Dreh den Satz einfach um
Wenn du gerade denkst „Ich kann noch nicht starten, ich habe ja noch nicht alle Angebote fertig“, dann dreh diesen Satz um.
Du brauchst nicht alle Angebote, um zu starten. Du brauchst den Start, um die richtigen Angebote zu finden.
Ich wiederhole das, weil es so wichtig ist:
Der Start zeigt dir, welche Angebote du wirklich brauchst. Nicht andersherum.
Eine Dienstleistung. Ein Wunschkunde. Eine klare Botschaft. Für den Anfang reicht das vollkommen. Du startest schlank, sammelst echte Erfahrung und baust gezielt aus.
Und damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Es geht nicht darum, für immer bei einem einzigen Angebot zu bleiben. Später kommt das zweite. Und das dritte. Da ist Platz für Kurse, Gruppenprogramme, Workbooks, für alles, was du dir ausmalst. Aber eben später, aufgebaut auf echter Erfahrung statt auf einer Vermutung. Erst der Start, dann die Vielfalt. Nicht umgekehrt.
Fazit: Klarheit ist dein Startvorteil
Die ehrlichste Antwort auf „Wie viele Angebote brauche ich?“ lautet also: zum Start eins. Ein einziges, klares Angebot, hinter dem du voll stehst. Nicht für die Ewigkeit, sondern als Startpunkt, von dem aus alles Weitere wächst.
Das nimmt dir nicht nur den halben Stress vom Tisch. Es macht dich auch für die richtigen Menschen sofort greifbar. Und sobald dieses eine Angebot steht, hat endlich auch deine Website eine klare Aufgabe: genau diese eine Sache zu verkaufen.
Und genau da kommt der nächste Schritt ins Spiel. Denn ein gutes Angebot allein bringt dir noch keine Kundinnen, wenn niemand den Weg dorthin findet.